Samstag, 03. November 2018

Festivalsamstag. Es geht in den Endspurt. Unglaublich wie schnell die letzten Tage vorbei gegangen sind. Und trotzdem hab ich hab das Gefühl, als wären Wochen und nicht nur Tage vergangen. Heute steht erst mal kein Film auf dem Programm, sondern der bei vielen Biberacher*innen beliebte Kapuzinertalk. Leichtfertig hab ich vor Wochen zugesagt, hier eins der Interviews zu übernehmen. Seit gestern weiß ich, dass ich Ex-Tatort-Kommissar und Fernsehstar Andreas Hoppe interviewen soll. In meinem Leichtsinn dachte ich mir, dass ich wahrscheinlich nicht viel vorbereiten muss. Mit einem Filmschaffenden ein paar Minuten reden, werd‘ ich schon irgendwie hinbekommen. Jetzt – zwei Stunden vor dem Beginn – geht mir der Arsch ziemlich auf Grundeis. Ich ziehe mich drei Mal um, bis ich zumindest nicht unzufrieden mit meinem Outfit bin. Normal trage ich Brille, aber heute kämpfe ich zum ersten Mal seit Jahren wieder eine halbe Stunde mit meinen leidigen Kontaktlinsen. 

In Biberach angekommen ist mein Oberteil schon fast durchgeschwitzt. Im Foyer des Kapuzinerhofs seh‘ ich, dass nur zwei Reihen aufgebaut sind. Entspannt denk ich mir – bis mir eröffnet wird, dass die meisten Zuschauer sowieso stehen. Die ersten sind schon da – eine Stunde vor Beginn. Ich glaub ich hab es mir zu leicht gemacht. Andreas Hoppe kommt zudem erst kurz vor knapp, da er dieses Jahr in der Spielfilmjury sitzt und noch eine Besprechung hat. Mehrmals muss ich aufs Klo. Ich überlege mir ob ich nicht doch lieber einen Sekt trinken sollte, um entspannter zu sein. 

Dann geht’s los. Der Kapuzinerhof ist brechend voll. Die Moderatorin Eva kündigt mich kurz an, dann steh‘ ich auch schon vor dem bekannten roten Sofa. Knapp 100 Augenpaare schauen mich erwartungsvoll an. Ich spule meine kurze Begrüßung ab, dann sitz ich auch schon neben Herrn Hoppe auf dem Sofa. Ich stelle die ersten paar Fragen, Andreas antwortet wie das ein Profi macht. Auf jede Frage eine schnelle und sympathische Antwort. Schneller als gedacht, gehen mir die halbgar überlegten Fragen aus. Aber das Publikum hat immer wieder was zu lachen. Andreas Hoppe ist einfach ein direkter, charmanter und humorvoller Typ. Das beruhigt mich. Wir sprechen viel über das politische Engagement von Andreas Hoppe. Hoppe erzählt uns, dass er sich viel für Nachhaltigkeit und Tierschutz einsetzt. Dann sind die 15 Minuten doch um. Das Publikum klatscht. Ich darf das heiße Sofa endlich verlassen und nimm mir erst Mal einen Sekt und geh an die frische Luft. Jedenfalls bin ich jetzt wach, wie seit zwei Tagen nicht mehr! Am Rande bekomme ich noch die anderen Interviews mit. Douglas Wolfperger, interviewt von Regina Grimm, spricht über seinen aktuellen Film und die schwierige Finanzierung von Stoffen. Gregor Kinzel hat gleich doppelt Arbeit. Er sitzt mit Produzent Jonas Grosch und der Schauspielerin Katharina Wackernagel, die mit „WENN FLIEGEN TRÄUMEN“ ihr Regiedebüt in Biberach präsentiert auf dem Sofa und moderiert und interviewt in besten Gottschalk-Manier. 

Nach einer kurzen Mittagspause im Kapuzinerhof spaziere ich durch den bewölkten Samstag Richtung Festivalkino. Besonders gespannt bin ich auf das Regiedebüt „SCHWIMMEN“ von Luzie Loose. Der Film geht mit einigen Vorschusslorbeeren in den Wettbewerb, hat er doch bei den HOFER FILMTAGEN am vergangenen Wochenende den begehrten Goldpreis gewonnen. Elisas Eltern haben sich getrennt. In der Schule ist sie nicht wirklich beliebt. Doch in Anthea, ihrer neue Mitschülerin, findet sie eine unerwartete Freundin. Die tiefe Verbindung der beiden entwickelt nach außen eine zerstörerische, bösartige Energie. Elisa (Stephanie Amarell) und Anthea (Lisa Vicari) können bald die Konsequenzen ihrer Handlungen nicht mehr kontrollieren. All das ist spannend und tief berührend zu gleich. Die unglaubliche Natürlichkeit des Spiels der jungen Schauspieler – das noch intensiver wird, wenn sich die Schauspieler gegenseitig mit ihren Handys filmen – ist wirklich beeindruckend. Man kann nur hoffen, dass „SCHWIMMEN“ in die Kinos kommt und von vielen jungen Menschen, aber auch von Eltern gesehen wird. 

Heute mach ich früher Schluss als eigentlich geplant. Eigentlich hatte ich vor, mir eventuell noch einen Film auszusuchen, aber die Müdigkeit ist einfach zu groß geworden. Ich schleppe mich zum Auto und fahre nach Hause. In meinen Ohren klingelt immer noch der Soundtrack von „SCHWIMMEN“. Zu Hause fall ich ins Bett. Ich vergesse sogar meine Zähne zu putzen. Die Nacht ist unruhig. In mir arbeiten die Bilder der vergangenen Tage und Filme.

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